Interview zum EMERGE-Projekt


Produktentwicklung
Produktentwicklung

Unternehmen:
MIPM GmbH

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Organisation:
OVGU Magdeburg

Veröffentlichungsdatum:
17. März 2021

Das EMERGE-Projekt des Vereinsmitglieds MIPM GmbH und der Otto-von-Guerricke Universität Magdeburg befasst sich mit dem Einsatz von EKG bei minimal-invasiven Eingriffen.



Projekt
EMERGE
Projektleiter
Andreas Klement
Projekstart:
2020
Abschluss:
2023
Weblink
mipm.com

Worum geht es in dem Projekt?

Beim EMERGE-Projekt geht es um die Entwicklung eines umfangreichen und zuverlässigen Patientenmonitorings mittels eines Elektrokardiogramms (EKG) während klinischer Untersuchungen als auch minimal-invasiver Interventionen, welche durch MR-Bildgebung begleitet werden. Durch den sogenannten magnetohydrodynamischer Effekt (MHD-Effekt) entstehen bei konventionellen EKGs Überlagerungen, welche die Ergebnisse verfälschen. Zur Reduktion der vom Blutfluss der Aorta ausgehenden Störsignale, werden momentan Filter genutzt. Existierende Lösungen produzieren jedoch Daten, welche für einige geplante Eingriffe zu unpräzise Werte liefern.

Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die nur minimalen Einfluss auf die Qualität des EKGs hat aber die MHD-Überlagerungen filtert. Gleichzeitig soll der Effekt weiter erforscht werden, um neue Erkenntnisse in der Verwendung von EKGs in Kombination mit der minimal-invasiven Bildgebung zu gewinnen.


Wer ist an dem Projekt beteiligt?

Das EMERGE-Projekt ist eine Kooperationsarbeit vom Vereinsmitglied MIPM (Mammendorfer Institut für Physik und Medizin), sowie der OVGU Magdeburg.

Stellvertretend für MIPM beantworteten Florian Lugmeier (Hardware- & Algorithmenentwicklung für die Signalverarbeitung) sowie sein Kollege Michael Bauer (Bioprozessinformatik - Softwareentwicklung und Dokumentation unsere Fragen.

Von Seiten der OVGU klärte uns Oliver Thieme auf, der seit September 2020 beim Projekt inkludiert ist und sich bereits in der Vergangenheit am Max-Planck-Institut in Leipzig im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit mit MRTs befasst hat.


Wie ist das Projekt entstanden?

Aus vorangegangenen Kooperationsprojekten der Partner ist unter anderem ein EKG entstanden, dessen Hardware teils bis heute Verwendung findet. An die bestehende Entwicklungsarbeit wird nun im laufenden Projekt angeschlossen.

Der immer größer werdende Wunsch seitens der Industrie- und Klinikpartner, weg von CT- und vermehrt MRT -Lösungen einzusetzen, war der ausschlaggebende für den Start des Projekts. Auch vom Universitätsklinikum Magdeburg bestand bereits im Vorfeld großes Interesse an der Entwicklung eines MRT-tauglichen EKGs, so dass über den bestehenden Kontakt das Projekt initiiert wird.


Wie sieht der Projektablauf aus?

Das Projekt wird seit September 2020 (gepl. Juni 2020) bei einer Projektdauer von 3 Jahren vom BMBF mit einer Summe in Höhe von knapp über einer Million Euro gefördert. Der erste Meilenstein der Kooperation ist die Entwicklung von Hardware, auf deren Grundlage Ideen getestet und Daten gesammelt werden können. Diese Phase befindet sich momentan in der Finalisierung, wobei das Augenmerk auf der Synchronisation von Hard- und Software liegt.

Gleichzeitig wird an einem Datenbankkonzept gearbeitet, in welches die große Menge an Informationen eingespeist und verwertet werden soll, womit eine reibungslose Testphase der Hardware garantiert werden kann.

Durch COVID-19 kam es zu einem verspäteten Projektstart, die Partner sind jedoch zuversichtlich was den weiteren Verlauf angeht. “Natürlich erschwert es die Zusammenarbeit in Präsenz, wie ein Kick-Off zum Beispiel”, berichtet Florian Lugmeier. Da aber momentan auch primär in digitaler Form gearbeitet wird, stellt die räumliche Distanz im Kontext des Projekts kein allzu großes Problem dar.


Worin sehen die Partner die Vorteile der Kooperation?

Für das in Mammendorf ansässige Unternehmen sind die Vorteile der Zusammenarbeit eindeutig. Die beeindruckenden Testmöglichkeiten am Forschungscampus STIMULATE sind ein immenser Vorteil für das Projekt. So können unter anderem langandauernde “heating tests”, bei denen über einen Zeitraum von 2 Wochen die MRT-Kompatibilität von Implantaten sowie weiteren technischen Komponenten untersucht wird, durchgeführt werden. Neben der technischen Ausstattung sieht Florian Lugmeier aber auch einen großen Vorteil in den universitären Strukturen und dem vorhandenen Fachwissen. So können fachbereichsübergreifende Probleme und Fragen schnell und kompetent geklärt werden.

Von Seiten der OVGU ist die Kooperation bezüglich der Umsetzung von Ideen und Konzepten vorteilhaft. Aus diesen realen Anwendungen entstehen viele neue Erkenntnisse, aus denen sich wiederum neue Forschungspotentiale bilden können.


Wie sieht die Zukunft aus?

Auch wenn der momentane Fokus selbstverständlich noch auf dem EMERGE-Projekt liegt, gibt es schon Interesse an zukünftigen Kooperationen. Alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass sich durch den großen Austausch an Know-How und dem Fortschreiten des Projekts weitere potentielle Folgeprojekte ergeben könnten.

Der STIMULATE-Verein bedankt sich bei Florian Lugmeier, Michael Bauer und Oliver Thieme für das aufschlussreiche Interview.